Wohlstand trotz Krise: Zwei von drei Menschen in Österreich geht es finanziell gut

  • Ende der Pandemiesorgen: Liquiditätsindex bleibt trotz geopolitischer Spannungen 2022 stabil
  • Finanzielle Belastungen durch Corona gehen zurück

Krieg in der Ukraine, Jahr drei der Pandemie, explodierende Lebenshaltungskosten: Österreich erlebt unsichere Zeiten. Dennoch geht es der Bevölkerung besser als noch vor einem Jahr: In einer repräsentativen Befragung gaben 66 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an, ihre finanzielle Situation sei gut oder sehr gut. Im Vorjahr waren es 64 Prozent. Knapp die Hälfte rechnet sogar mit einer Verbesserung in den kommenden drei bis fünf Jahren. Bereits zum siebten Mal ermittelte das TeamBank-Liquiditätsbarometer die aktuelle Lage und die Erwartungen der Österreicherinnen und Österreicher für die kommenden Jahre in Bezug auf ihre Finanzen. Nach dem coronabedingten steilen Absturz im Vorjahr stabilisiert sich 2022 der daraus berechnete Liquiditätsindex auf niedrigem Niveau.

Die Erholung der Privathaushalte nach den Jahren der Corona-Einschränkungen setzt sich fort. Zwar geben immer noch 32 Prozent der Befragten an, sie seien schlechter gestellt als vor der Pandemie. Das ist jedoch ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Vorjahr (37 Prozent). Auf der anderen Seite des Spektrums geben 16 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an, es ginge ihnen finanziell sogar besser als Anfang 2020 (Vorjahr: 12 Prozent). „Die Umfrageergebnisse zeigen eine vorsichtige Erholung der Finanzen der Österreicherinnen und Österreicher“, erläutert Frank Mühlbauer, Vorstandsvorsitzender der TeamBank AG. „Das war angesichts der Coronasituation und während eines Kriegs in Europa nicht zwingend zu erwarten. Allerdings stehen wir noch ganz am Anfang eines starken wirtschaftlichen Umbaus in Europa, den die russische Aggression der EU aufgezwungen hat. Es kommen also vermutlich noch einige Herausforderungen auf uns alle zu.“

Auch die Befragten sind verunsichert, was die Zukunft bringen mag. Nur noch 47 Prozent von ihnen gehen davon aus, dass es ihnen in fünf Jahren besser gehen wird als heute. Im Vorjahr waren es noch 49 Prozent. Zwei mögliche Gründe für den Rückgang: Es gab im vergangenen Jahr eine reale Erholung mit einer Verbesserung der Finanzlage. Dass danach ein Teil der Befragten nicht mit weiterem Zugewinn rechnet, ist naheliegend. Zusätzlich trübt die weltpolitische Lage die Zukunftsaussichten.

Junge Generation ist am zuversichtlichsten

Bei der Berechnung des TeamBank-Liquiditätsbarometers gleichen sich verbesserter Ist-Zustand und gesenkte Erwartungen beinahe aus. Gegenüber dem Vorjahr fällt der Index von 17,0 um nur 0,75 Punkte. Somit ist die Abwärtsbewegung beendet, aber vom Vorkrisenniveau sind Lage und Stimmung noch weit entfernt: Bis einschließlich 2020 lag der niedrigste je gemessene Wert bei 26,60.

Die Stagnation geht in erster Linie auf die Generation 50Plus zurück: In dieser Altersgruppe nehmen 32 Prozent der Befragten an, dass ihre finanzielle Lage sich in den kommenden fünf Jahren verschlechtern wird. Dass ein Teil dieser Gruppe mit Einbußen rechnet, ist zwar normal, da der Pensionseintritt und der damit verbundene Einkommensrückgang in diese Lebensphase fällt. Aussagekräftig ist aber, dass im Vorjahr nur 25 Prozent mit einer Verschlechterung rechneten. Dieser Anstieg um sieben Prozentpunkte zeigt tatsächlich eine zunehmende Skepsis unter Älteren. Bei den 18- bis 29-Jährigen weist die Entwicklung in die andere Richtung: 76 Prozent und damit sieben Prozentpunkte mehr als im Vorjahr rechnen mit einer Verbesserung in Geldangelegenheiten. Befragte in einer frühen Karrierephase vertrauen somit häufiger als zuvor auf ihren finanziellen Aufstieg. Der Liquiditätsindex stieg bei den jüngeren Österreicherinnen und Österreichern um 4,75 auf 34 Punkte. Unter Befragten ab 50 Jahren ist die Stimmung mit einem Wert von 4,25 Punkten hingegen deutlich gedämpfter.

Bundesländervergleich: Kulturrenaissance nährt die Zuversicht

Auffällig sind starke regionale Unterschiede bei der Beurteilung von aktueller Lage und Zukunftsaussichten: In den zuversichtlichsten Bundesländern Salzburg (23,7) und Wien (20,2) liegt der Liquiditätsindex bei mehr als 20, im Burgenland am anderen Ende der Skala nur bei 9,7. Die Menschen in Salzburg, Wien und Tirol gewinnen im Vergleich zum Vorjahr in der finanziellen Stimmung, während alle anderen Bundesländer verlieren. Wien profitiert dabei vom Status als Österreichs Wirtschaftsmotor, Salzburg von seiner stark auf Musikevents ausgerichteten Tourismuswirtschaft: Nach dem Fall der Pandemiebeschränkungen planen viele Österreicherinnen und Österreicher, die lange verschobenen kulturellen Aktivitäten nachzuholen. Im strukturell schwachen Burgenland mit seinen vielen Pendlerinnen und Pendlern hingegen schlagen die höheren Kraftstoffpreise direkt auf die Liquidität der Bevölkerung durch und machen Einschränkungen notwendig.

Marc-Olivier Weber

Pressesprecher TeamBank AG

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